Long Covid Therapie in Basel
- Stefano Limone

- vor 1 Tag
- 6 Min. Lesezeit
„Schulmedizinisch ist alles in Ordnung – aber ich bin seit Monaten nicht mehr ich selbst."
Diesen Satz hören wir im Gesundheitszentrum Basel seit der Pandemie immer wieder. Menschen, die ihre Covid-Infektion längst überstanden haben und trotzdem nicht zurück in ihren Alltag finden. Die Blutwerte sind unauffällig, das Röntgenbild zeigt nichts, der Lungenfunktionstest ist normal – und trotzdem reicht die Energie nicht einmal mehr für einen Spaziergang, geschweige denn für einen vollen Arbeitstag.
Wenn du das kennst, bist du nicht allein, und du bildest dir nichts ein. In diesem Beitrag erklären wir, was hinter Long Covid steckt, warum klassische Untersuchungen oft „nichts finden" – und wie die Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT) als Teil eines Long-Covid-Therapiekonzepts in Basel ansetzen kann.

Was ist Long Covid überhaupt?
Long Covid bezeichnet Beschwerden, die länger als zwölf Wochen nach einer Covid-19-Infektion anhalten oder neu auftreten, ohne dass sie sich durch eine andere Diagnose erklären lassen. Die Liste der möglichen Symptome ist lang und für jede betroffene Person anders gewichtet:
Anhaltende Erschöpfung (Fatigue), die sich durch Schlaf nicht bessert
Post-Exertional Malaise (PEM): Symptomverschlechterung nach körperlicher oder geistiger Anstrengung, oft zeitverzögert
Konzentrations- und Wortfindungsstörungen, umgangssprachlich „Brain Fog"
Atembeschwerden und das Gefühl, „nicht richtig durchatmen" zu können
Herzrasen, Schwindel und Kreislaufprobleme beim Aufstehen
Muskel- und Gelenkschmerzen
Schlafstörungen trotz tiefer Erschöpfung
Was diese Symptome verbindet, ist nicht ein einzelnes Organ, sondern ein Muster: Der Körper produziert nicht mehr genug nutzbare Energie für die Anforderungen des Alltags. Genau dieser Punkt – Energiebereitstellung auf zellulärer Ebene – ist der Ansatzpunkt, an dem IHHT ins Spiel kommt.
Warum Long Covid so schwer zu diagnostizieren ist
Viele Betroffene berichten von einer frustrierenden Odyssee durch verschiedene Facharztpraxen. Lunge, Herz, Schilddrüse, Blutbild – alles wird kontrolliert, und meistens liegen die Werte im Normbereich. Das liegt daran, dass sich die zugrunde liegenden Veränderungen bei Long Covid oft nicht in den klassischen Laborparametern abbilden. Sie spielen sich auf einer tieferen, mikrostrukturellen Ebene ab: in der Funktion der Mitochondrien, in der Mikrozirkulation der kleinsten Blutgefässe und in der Regulation des autonomen Nervensystems.
Das bedeutet nicht, dass nichts gemessen werden kann. Es bedeutet, dass man die richtigen Fragen stellen und die richtigen Werkzeuge einsetzen muss – und dass „die Werte sind gut" eben nicht gleichbedeutend ist mit „dir fehlt nichts".
Die Mitochondrien-Hypothese: Der rote Faden hinter den Symptomen
Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen. Sie wandeln Sauerstoff in ATP um, die Energiewährung des Körpers, mit der jede Muskelbewegung, jeder Gedanke und jeder Heilungsprozess bezahlt wird. Eine wachsende Zahl an Forschungsarbeiten deutet darauf hin, dass eine Covid-19-Infektion die Funktion der Mitochondrien beeinträchtigen kann – durch direkte virale Effekte, durch anhaltende niedriggradige Entzündungsprozesse oder durch eine gestörte Mikrozirkulation, die die Zellen schlechter mit Sauerstoff versorgt.
Das Ergebnis: Die Zellen erhalten zwar Sauerstoff über die Lunge, können ihn aber nicht mehr effizient in Energie umsetzen. Die Folge ist genau das Bild, das viele Long-Covid-Patientinnen und -Patienten beschreiben – eine Erschöpfung, die sich nicht durch Ausruhen behebt, weil das Problem nicht im Mangel an Sauerstoff liegt, sondern in seiner zellulären Verwertung.
Diese sogenannte Mitochondrien-Hypothese ist einer der meistdiskutierten Erklärungsansätze für Long Covid und liefert gleichzeitig die Logik dafür, warum eine Therapie, die gezielt an den Mitochondrien ansetzt, einen sinnvollen Baustein im Therapiekonzept darstellen kann.
IHHT bei Long Covid: Was die Therapie konkret macht
Die Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT) ist eine sanfte, nicht-invasive Form des Höhentrainings, bei der du über eine weiche Atemmaske abwechselnd sauerstoffreduzierte Luft (Hypoxie) und sauerstoffangereicherte Luft (Hyperoxie) atmest – im Liegen, ohne körperliche Anstrengung.
Dieser kontrollierte Wechsel setzt im Körper einen gezielten Reiz: Er aktiviert zelluläre Sauerstoffsensoren (HIF-1α), deren Erforschung 2019 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde, und stösst darüber biochemische Signalketten an, die
die Bildung neuer, leistungsfähiger Mitochondrien fördern können,
geschädigte Mitochondrien gezielt abbauen helfen (ein Prozess namens Mitophagie),
die Sauerstoffverwertung im Gewebe verbessern können,
und entzündungsmodulierende Prozesse im Körper unterstützen können.
Für den Long-Covid-Kontext ist das genau der Mechanismus, der relevant erscheint: IHHT setzt nicht primär an den Symptomen an, sondern an einem der diskutierten Ursachenkomplexe – der gestörten zellulären Energieproduktion. IHHT wird daher zunehmend als Begleittherapie bei Long-Covid-Symptomen eingesetzt, und erste klinische Beobachtungen zeigen vielversprechende Ergebnisse, auch wenn die Forschung zu diesem spezifischen Anwendungsgebiet noch jung ist und IHHT eine ergänzende, keine alleinige Behandlung darstellt.
Warum „sanft" bei Long Covid entscheidend ist
Ein zentraler Vorteil von IHHT speziell für Long-Covid-Betroffene: Die Therapie erfordert keine aktive körperliche Leistung. Das ist deshalb so wichtig, weil viele Menschen mit Long Covid unter Post-Exertional Malaise leiden – jede Form von Belastung, die über die individuelle Grenze hinausgeht, kann die Symptome tagelang verschlechtern. Klassisches Ausdauertraining ist für diese Patientengruppe daher oft kontraproduktiv oder schlicht unmöglich.
IHHT setzt den Trainingsreiz auf einer anderen Ebene: nicht über Muskelarbeit, sondern über die Atemluft, während du entspannt liegst. Genau deshalb kann sie auch für Menschen interessant sein, die aktuell keine andere Form von körperlicher Aktivität tolerieren.
Was du bei einer IHHT-Sitzung erwarten kannst
Eine Sitzung im Gesundheitszentrum Basel beginnt mit einem kurzen Gespräch, in dem wir deine aktuelle Befindlichkeit und deinen Long-Covid-Verlauf besprechen. Anschliessend legst du dich vollständig angekleidet auf eine Behandlungsliege und bekommst eine weiche Atemmaske angelegt, die Nase und Mund bedeckt.
Über diese Maske wechselt das Gerät in programmierten Intervallen zwischen hypoxischer und hyperoxischer Luft. Während der gesamten Sitzung überwachen wir kontinuierlich deinen Puls und deine Sauerstoffsättigung und passen die Intensität individuell an deine Werte und Belastbarkeit an – ein Aspekt, der bei Long-Covid-Patientinnen und -Patienten besonders sorgfältig gehandhabt wird, da die Belastungsgrenzen sich von Sitzung zu Sitzung verändern können.
Die meisten Menschen empfinden die Behandlung als angenehm entspannend; manche schlafen während der rund 50 Minuten sogar ein. Danach gibt es keine Nachruhezeit – du kannst deinen Alltag direkt fortsetzen, allerdings empfehlen wir gerade bei Long Covid, das Tempo zunächst behutsam zu steigern.
Für wen IHHT bei Long Covid geeignet ist – und wann Vorsicht gilt
IHHT kann eine sinnvolle ergänzende Option sein für Menschen, die
seit einer Covid-Infektion unter anhaltender Erschöpfung, Brain Fog oder reduzierter Belastbarkeit leiden,
bereits schulmedizinisch abgeklärt wurden, ohne dass sich eine eindeutige Diagnose oder Ursache finden liess,
eine nicht-invasive, ohne körperliche Anstrengung durchführbare Therapieform suchen,
bereit sind, die Therapie als Prozess über mehrere Wochen zu verstehen statt als Einmal-Lösung.
Bei bestehenden schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unkontrolliertem Bluthochdruck, akuten Atemwegsinfekten oder anderen relevanten Vorerkrankungen empfehlen wir vorab das Gespräch mit deinem Hausarzt oder deiner Hausärztin. Im Rahmen des Eingangsgesprächs in unserem Zentrum klären wir gemeinsam mit dir ab, ob und in welcher Form IHHT für deine aktuelle Situation geeignet ist.
IHHT als Teil eines ganzheitlichen Long-Covid-Konzepts in Basel
Long Covid betrifft selten nur eine Ebene des Körpers – entsprechend sinnvoll ist häufig ein Konzept, das mehrere Therapieformen kombiniert. Im Gesundheitszentrum Basel verbinden wir IHHT bei Bedarf mit weiteren Bausteinen aus unserem Angebot:
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM): Aus TCM-Sicht hinterlässt eine Covid-Infektion häufig ein Muster von Qi- und Yin-Mangel, oft mit Beteiligung von Lunge, Milz und Niere. Akupunktur und individuelle Ernährungsberatung können hier ansetzen, um den Energiehaushalt von innen zu stützen – komplementär zur zellulären Arbeit der IHHT.
Körperschallliege: Die Kombination aus Klangschwingungen und Infrarotwärme kann das Nervensystem in den Parasympathikus – den Erholungsmodus – versetzen. Da chronischer Stress und ein überaktiviertes Nervensystem bei Long Covid häufig eine Rolle spielen, kann dieser Baustein die Regeneration zusätzlich unterstützen.
Shiatsu: Viele Long-Covid-Betroffene berichten von einem Gefühl der Entkoppelung vom eigenen Körper. Die behutsame, bekleidete Druckpunkttherapie des Shiatsu kann helfen, wieder Zugang zum eigenen Körpergefühl zu finden und das Immunsystem zu stärken.
Welche Kombination für dich sinnvoll ist, besprechen wir individuell – Long Covid verläuft bei jeder Person anders, und entsprechend unterschiedlich sieht auch der Weg zurück in den Alltag aus.
Kosten und Ablauf im Gesundheitszentrum Basel
Für einen spürbaren Effekt empfehlen wir bei Long Covid in der Regel eine Basisserie von mindestens 10 Sitzungen, zu Beginn idealerweise 2–3 Mal pro Woche über 4–5 Wochen – wobei wir das Tempo bei Long-Covid-Patientinnen und -Patienten immer an die individuelle Belastbarkeit anpassen und notfalls verlangsamen.
Leistung | Preis |
Einzelsitzung IHHT (ca. 50 Min.) | 95 CHF |
10er-Abonnement IHHT | 900 CHF (90 CHF/Sitzung) |
20er-Abonnement IHHT | 1'700 CHF (85 CHF/Sitzung) |
IHHT wird derzeit nicht von der Grundversicherung übernommen. Manche Zusatzversicherungen beteiligen sich im Rahmen von Präventions- oder Komplementärmedizin-Leistungen an den Kosten – wir empfehlen, dies vorab direkt bei deiner Krankenkasse zu klären. Unser Team berät dich gerne bei Fragen zur Kostenerstattung.
Häufige Fragen zu Long Covid Therapie in Basel
Kann IHHT Long Covid heilen?
Nein, das wäre ein falsches Versprechen. IHHT ist keine Heilung, sondern eine ergänzende Therapie, die an einem der diskutierten Mechanismen von Long Covid – der mitochondrialen Energieproduktion – ansetzen kann. Sie ersetzt keine ärztliche Abklärung und Behandlung, sondern kann diese sinnvoll begleiten.
Wie schnell merke ich eine Verbesserung?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Patientinnen und Patienten berichten bereits nach wenigen Sitzungen von mehr Energie und mentaler Klarheit, bei anderen braucht der Prozess deutlich länger. Bei Long Covid raten wir grundsätzlich zu Geduld und einer behutsamen Herangehensweise.
Ist IHHT bei Post-Exertional Malaise (PEM) sicher?
Da IHHT im Liegen und ohne aktive körperliche Anstrengung erfolgt, wird sie von vielen PEM-Betroffenen besser toleriert als klassisches Training. Wir passen Intensität und Sitzungsfrequenz individuell an und steigern die Belastung sehr behutsam, immer in engem Austausch mit dir.
Brauche ich eine ärztliche Abklärung, bevor ich mit IHHT starte?
Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen relevanten Vorerkrankungen empfehlen wir, vorher mit deinem Hausarzt oder deiner Hausärztin zu sprechen. Im Erstgespräch bei uns klären wir gemeinsam ab, ob IHHT für deine Situation geeignet ist.
Wo in Basel kann ich IHHT bei Long Covid ausprobieren?
Im Gesundheitszentrum Basel by PhysioBasel, Oetlingerstrasse 2, 4057 Basel.
Du kannst direkt online einen Termin buchen oder uns für ein unverbindliches Erstgespräch kontaktieren.
Spürst du die Nachwirkungen von Covid noch immer?
Du musst dich mit anhaltender Erschöpfung nicht abfinden, nur weil deine Werte „normal" sind. Im Gesundheitszentrum Basel nehmen wir uns Zeit, deine Situation ganzheitlich zu verstehen, und entwickeln mit dir gemeinsam einen Therapieplan, der bei den tatsächlichen Ursachen ansetzt – nicht nur bei den Symptomen.


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